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„Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade. Darum dass nun und nimmermehr uns rühren
kann kein Schade." Jedes Mal wenn er im Gottesdienst dieses Lied höre, so erzählt ein Mittvierziger, überwältige ihn das Aufbrausen der Orgel und der euphorische Text mit seiner
Friedensvision: „Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende." Schon als Kind habe ihn diese Stelle im Gottesdienst tief beeindruckt,
erzählt der Mann. Dieses Gefühl, überwältigt zu sein, habe er seither jedes Mal wieder gespürt.
Im lutherischen Gottesdienst gehört das Lied „Allein Gott in der Höh sei Ehr" zu einer festen
Folge von Gebeten und Chorälen, die Außenstehenden vielleicht unverständlich und altertümlich erscheinen. Aber wer regelmäßig den Gottesdienst besucht, für den erschließt sich darin nach
und nach eine feste Dramaturgie.
Auch wenn es in manchen Gemeinden sonntagmorgens alles andere als dramatisch zugeht - emotional
kann ein Kirchgänger innerhalb der einen Stunde eine ähnliche Entwicklung durchleben wie der „verlorene Sohn" aus Jesu Gleichnis (Lukas-evangelium 15,11-32). Denn unterschwellig
erzählen katholische Messe und lutherischer Gottesdienst die Geschichte einer Trennung und Versöhnung, eines Abschieds und einer Heimkehr - mit dem Gottesdienstbesucher in der Hauptrolle.
In Jesu Gleichnis lässt sich der Sohn eines vermögenden Mannes sein Erbe auszahlen. Er zieht damit
in die Ferne, er verprasst es, fällt in Armut. Irgendwann ist seine Not so groß, dass ihm die Einsicht kommt, es sei besser heimzukehren, als zu leiden. Der Sohn entschließt sich, zu
seinem Vater zurückzukehren und ihm zu sagen: „Ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir."
An dieser Stelle setzt der Gottesdienst ein. „Im Namen des Vaters, des Sohnes
und des Heiligen Geistes", sagt der Pfarrer. Diese Worte stehen wie ein Weckruf am Anfang. Dem Kirchgänger wurden sie erstmals gesagt, als sein christliches Leben begann: bei der
Taufe. Sie erinnern ihn daran, dass er eigentlich ein christliches Leben führen sollte (was vermutlich niemand so richtig hinbekommt). Es folgt ein Schuldbekenntnis. Der Kirchgänger
bekennt, dass er sich von Gott - im biblischen Gleichnis: vom Vater - entfernt hat. Er erinnert sich an Lieder seiner Kindheit - die Psalmen - und macht sich auf den Weg.
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