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Liebe Gemeinde, liebe Leserinnen und Leser,
haben Sie´s erkannt, was da auf den
beiden Abbildungen zu sehen ist? Es sind die Taufkannen aus unseren beiden Kirchen Jubilate in Waldper- lach und St. Martin in Putzbrunn. Was diese Taufkannen wohl zu erzählen
hätten, wenn sie es könnten?

Von vielen Kindern würden sie natürlich erzählen, von ganz kleinen,
die schliefen oder brüllten, und von größeren Kindern, die durch die Kirche sausten oder auch schon selbst auf die Tauffrage mit „Ja“ antworten konnten. Von den Eltern würden sie
erzählen: von ihrer Dankbarkeit und Liebe, von ihren Hoffnungen und Gebeten, von ihrer Unsicherheit und ihrer Sehnsucht. Sie würden ebenso von Eltern
erzählen, die zwar selbst aus der Kirche ausgetreten sind, aber sich doch wünschen, dass ihr Kind vom christlichen Glauben und den christlichen Werten erfährt. Und auch von Jugendlichen
und Erwachsenen, die sich bewusst für den christlichen Glauben entschieden haben, würden die Taufkannen erzählen. Im Jahr 2006 wurden in unseren beiden Kirchen x Menschen getauft,
überwiegend Kinder. in diesen Wochen werden 23 junge Leute bei der Konfirmation ihre eigene Taufe bekräftigen und selbstständig ihren Glauben bekennen, einer von ihnen wird dabei getauft.
Wir Erwachsenen erinnern uns in der Regel nicht an unsre Taufe. Aber wir wissen, dass damals jemand (meist ein Pfarrer) unseren
Namen nannte, unseren Kopf dreimal mit Wasser benetzte und dabei die Worte sprach: „Ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Was bedeutet uns das
heute, nach vielen Jahren? Bleibt unsere Taufe ein blasses Ereignis, bestenfalls mit einem schon vergilbten Taufschein dokumentiert? Oder geht es uns wie Martin Luther, von dem
berichtet wird, er habe, wenn Zweifel und Verzweiflung ihn quälten, sich selber zugerufen: „Ich bin getauft – baptizatus
sum“? Und – mal ganz ehrlich – wissen Sie Ihren Taufspruch?
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„Ich bin getauft“: für mich wird
das zunehmend bedeutsamer. „Ich bin getauft“: ich gehöre zu Gott, egal, was passiert. Ich habe nicht nur leibliche Eltern, sondern auch einen Vater (oder eine Mutter –
Gott lässt sich ja nicht auf menschliche Kategorien festlegen) im Himmel, der es gut mit mir meint. „Ich bin getauft“: ich bin mit Jesus Christus – dem menschgewordenen Gott, unserem Herrn und Bruder – verbunden. In ihm finde ich Orientierung und Freiheit. Wie er werde ich zwar sterben, aber dann zu neuem Leben bei Gott auferweckt werden. Darum hat alles, was mich belastet, nicht das letzte Wort. „Ich bin getauft“: ich gehöre zur Familie der weltweiten Christenheit und versuche jeden Tag, im Geiste Jesu Christi zu leben. „Ich bin getauft“: bei meinem Namen wurde ich dabei gerufen. Ganz persönlich bin ich gemeint. Hier bin ich nicht
Steuernummer, nicht global verschiebbare Arbeitskraft oder Kostenfaktor in der Betriebsbilanz. Hier bin ich nicht Konsument oder Patient, Wähler oder „Fall“ für die
Versicherung. Sondern hier, in der Taufe, bei Gott, bin ich als Mensch gemeint, so wie ich bin und mit allem, was ich erlebe, was ich fühle und denke. Und das tut gut!
Mit der Taufe eines Kindes kann ein lebenslanger Weg mit Gott beginnen. In unserer Gemeinde bemühen wir uns sehr, die Kinder (und damit auch ihre Eltern) auf ihrem
Glaubensweg zu begleiten: bei den Kirchenmäusen und Kirchenzwergen, bei den Lustigen Fischen und den Strolchen, im (Mini-)Kindergottesdienst, im Religionsunterricht, mit
Kinderkirchenvormittagen und Kinderbibelwochen. Ganz besonders steht die Taufe beim jährlichen Tauferinnerungsgottesdienst im Mittelpunkt, wo es fröhlich und ein bisschen turbulent
zugeht, wenn alle Kinder ihre Taufkerzen anzünden (s.S. x). Für die Erwachsenen wird bewusst in der Osternacht an die Taufe erinnert, und außerdem in jedem Sonntagsgottesdienst, wenn es
heißt: „wer glaubt und getauft wird, der wird selig werden.“
„Wasser allein tut’s freilich nicht“, schreibt der Reformator Martin Luther über die Taufe, „sondern
das Wort Gottes, das mit und bei dem Wasser ist, und der Glaube, der solchem Worte Gottes im Wasser traut.“
Ich wünsche Ihnen, dass Sie gerne an Ihre Taufe denken –
vielleicht im Urlaub an einem schönem See oder einem klaren Bergbach. Ich wünsche Ihnen, dass Ihnen Gottes Wort ermutigend begegnet. Und ich wünsche Ihnen, dass Sie glauben können!
Ihre Pfarrerin Barbara Hopfmüller
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