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Liebe Gemeinde,
eine neue Hüfte? Inzwischen Routine. Grauer Star? Kein Problem. Diphterie? Kein Thema mehr für heutige Kinder,
meine Tante musste noch daran sterben. Die Möglichkeiten der modernen Medizin, zu helfen und zu heilen, sind wirklich überwältigend. Die Lebensqualität steigt. Und in der Kunst der Ärzte und
Pflegenden können wir auf jeden Fall Gottes Hilfe sehen (siehe die Sätze aus Jesus Sirach weiter oben, sie sind etwa 2200 Jahre alt).
Zugleich entstehen neue Fragen: soll die 95jährige künstlich ernährt werden? Schaltet man bei dem 40jährigen,
der seit Jahren im Koma liegt, die Geräte ab? Darf ein Arzt dem Wunsch eines Patienten, aus dem Leben zu gehen, entgegenkommen? Darf ein künstlich gezeugter Embryo mit genetischen „Defekten“
„verworfen“ werden?
Menschen müssen entscheiden. Patienten, Angehörige, Ärzte. Müssen entscheiden über „Leben oder Tod“,
müssen „Schicksal spielen“, müssen bewerten, ob ein Leben „lebenswert“ ist oder nicht. Das bringt Gewissenskonflikte und manch schlaflose Nacht mit sich.
Da ist es gut, dass die „Handreichung der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern zu Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung“ den Titel trägt: „Meine Zeit steht in Gottes Händen.“
„Meine Zeit steht in Gottes Händen“: der Anfang des Lebens im
Verborgenen und die Geburt, Kindheit und Erwachsensein, Lieben und Lachen, Gesundheit und Krankheit, Altwerden und Sterben - und das, was nach dem Tod ist. Alle Zeit steht in Gottes Händen.
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